
Die Stadt Soest in Westfalen ist heute bekannt für ihr lebendiges Stadtleben, die ↗Allerheiligenkirmes und ihre hübsche historische Altstadt. Soest ist eine der ältesten Städte im Nordwesten Deutschlands.
Schon zum Ende der Steinzeit waren Siedler hier auf fruchtbare Böden gestoßen (Soester Börde), nachdem sich in der letzten Eiszeit hier Löß abgelagert hatte - gut bearbeitbar, mit mineralischen Nährstoffen und guter Wasserspeicherfähigkeit - alles sehr vorteilhaft für den Ackerbau.
Und aufgrund der Randlage am Münsterländer Kreidebecken gibt es hier auch Salzwasserquellen. Bei archäologischen Grabungen in Soest wurden 94 Salz-Siedeöfen gefunden (Sälzerviertel am „Kohlbrink“). Die Produktionsstätte stammt aus der Zeit von ca. 600 n.Chr., was vielleicht einer der ältesten Plätze dieser Art im deutschen Frühmittelalter war. Die Salzsiederei wurde hier womöglich bis zum 12. Jahrhundert betrieben. Anschließend gab es Erwähnungen einer Saline in Sassendorf.
Passend zur Salzproduktion - über den eigenen Bedarf hinaus - war die Lage an Handelswegen, nämlich am Hellweg (vom Rhein bis Zentraleuropa) sowie am späteren Heerweg nach Köln.
Um 780 n.Chr. wurde eine Kirche gebaut, ein Vorgängerbau der ↗Petrikirche im Zentrum von Soest. Der Vorgängerbau war eine der ersten Kirchen in Westfalen. Nachdem die Franken die Sachsen in Westfalen unterworfen hatten, waren im Jahr 777 n.Chr. auf der Reichsversammlung in Paderborn Missionsbezirke festgelegt worden. Die frühe Kirche in Soest war eine Missionskirche und hatte die Aufgabe, die Sachsen zum Christentum zu missionieren - zur Eingliederung der Sachsen ins fränkische Reich.
Im Jahr 836 n.Chr. wurde Soest als „vila sosat“ erstmals urkundlich erwähnt.
Spätere Namen waren z.B. Suesac, Sosatia, dann Soist (mit Dehnungs-i), zuletzt Soest (mit Dehnungs-e).
Ab dem 9. Jahrhundert soll es eine Befestigungsmauer um die Siedlung gegeben haben.
Im Schutz der befestigten Siedlung ließen sich Kaufleute und Handwerker nieder.
Direkt neben der Petrikirche soll um 950 mit dem Bau
des ↗Patrokli-Doms begonnen worden sein
und im Jahr 962 wurden die Reliquien des Heiligen Patroklus aus dem französischen Troyes nach Soest geholt.
Er wurde zum Schutzpatron von Soest.
Zu dieser Zeit errichtete auch der Landesherr, der Kölner Erzbischof, eine Residenz in Soest.
Die Region am Hellweg war vermutlich schon im 7. Jahrhundert vom Erzbistum Köln erworben worden.
Im 11. Jahrhundert entstand in Soest ein ständiger Markt und eine Markt-Gerichtsbarkeit.
Und im 12. Jahrhundert wurde eine großzügige Erweiterung der Stadt nötig.
In diesem Jahrhundert soll auch das Soester Stadtrecht entstanden sein, als
erstes im deutschen Raum aufgezeichnetes Stadtrecht.
Es wurde 1160 ebenfalls in Lübeck etabliert und von dort in Hanse-Städte des Ostseeraums weitergetragen.
Auch in unserer Nachbarschaft wurde das Soester Stadtrecht verwendet, z.B. im Sauerland sowie in Geseke (1217)
und als Stadtrecht für Lippstadt (1220).
1177 kam es zum Streit über die Vorherrschaft in Westfalen - zwischen dem Kölner Erzbischof und dem Herzog von Sachsen.
Während des Kriegs ließ der Kölner Erzbischof eine Stadtmauer, den heutigen Wall, um Soest errichten.
Außerdem waren zu der Zeit weitere Kirchen in Soest in Bau befindlich.
Der Kölner Erzbischof ging 1181 als Sieger aus dem Krieg hervor und gründete das Herzogtum Westfalen, in dem Soest die Hauptstadt wurde.
1193 segelten Kaufleute aus Soest, Münster und Lübeck gemeinsam nach Russland, um Handelsgespräche in Nowgorod zu führen.
Bei der frühen Hanse handelte es sich um einen freien Zusammenschluss von Kaufleuten, die
den Schutz der Gruppe für die gefahrvolle Reise suchten und ihre Interessen an den Zielorten gemeinsam besser vertreten konnten.
Um das Jahr 1200 sollen sich in Soest 5 neue Kirchen gleichzeitig in Bau befunden haben, was
auf eine gute Finanzkraft der Stadt hinweist.
1253 trafen sich Vertreter der Städte Soest, Lippstadt, Dortmund und Münster, und schlossen einen Städtebund bzw. ein Schutzbündnis, den Bund von Werne.
Ziel dieses Bündnisses war es, einheitliche Regeln für Handel und Recht festzulegen.
Es wurde vereinbart, untereinander keine Zölle zu erheben und jeden Bürger einer Bündnisstadt so zu schützen als wenn es ein eigener Bürger wäre.
1268 trat auch Osnabrück bei. Damit waren im Werner Bund die Städte versammelt, die sich auch später als Hauptorte
der westfälischen Hanse wiederfinden werden.
Doch tatsächlich gerieten Lippstadt und Soest in einen Streit, und Lippstadt schied 1296 aus dem Werner Bund aus.
Um 1300 beginnt die Stadt Soest mit dem Erwerb der fruchtbaren Börde, d.h. eines Gebiets mit Dörfern und Gebührenrechten, die zuvor nicht zur Stadt gehörten - in der Regel durch Kauf, Übernahme von Rechten oder vertragliche Vereinbarungen mit Grundherren. In damaligen Darstellungen wird dieser Vorgang als Erwerb von 48 Dörfern beschrieben, die allmählich in die Herrschaft der Stadt Soest einbezogen wurden.
1338 wurde die Allerheiligenkirmes erstmals urkundlich erwähnt. Laut einiger historischer Darstellungen war Soest im 15. Jahrhundert die größte Stadt in Westfalen, mit einer Einwohnerzahl von etwa 10.000 bis 12.000 Menschen, d.h. mehr als Dortmund oder Münster zu dieser Zeit.
1444 gerieten die selbstbewussten Soester in Streit mit ihrem Landesherrn, dem Kölner Erzbischof.
Die Soester verbünden sich mit dem Herzog von Kleve, den sie für einen besseren Landesherrn hielten.
Damit beginnt ein 5-jähriger Krieg, der als ↗„Soester Fehde“ in
die Geschichte eingeht. Nebenbemerkung: Für Lippstadt beginnt hierdurch die Samtherrschaft.
Soest ging 1449 als Sieger gegen seinen alten Landesherrn hervor, war aber seitdem von feindlichem kölnischen Gebiet umgeben.
Dadurch verlor die Handelsstadt an Einfluss, verlor Kaufleute und wurde nach und nach zu einer Ackerbürgerstadt.
In der Zeit der Hexenverfolgung wurden in Soest in den 47 Jahren von 1570 bis 1616 mindestens 67 Prozesse
wegen angeblicher Hexerei geführt, wobei ungefähr gleich viele Männer wie Frauen zum Tode verurteilt wurden.
Die gewünschten Bekenntnisse wurden zurechtgefoltert und die Urteile wurden durch Verbrennen
auf dem Scheiterhaufen an der Soester Steinkuhle ausgeführt.
2013 hat der Soester Stadtrat eine symbolische Rehabilitation der Opfer der Hexenverfolgung ausgesprochen.
Ursprünglich war Soest eine der bedeutendsten Hansestädte, aber im 16. Jahrhundert befand sich die Hanse im Niedergang. 1608 war Soest letztmalig beim Hansetag in Lübeck vertreten, also schon 60 Jahre bevor 1669 der allerletzte Hansetag stattfand.

Etwas überraschend ist, dass für Soest kein großer Stadtbrand überliefert ist.
Überraschend deshalb, weil es z.B. in der damals kleineren Nachbarstadt Lippstadt
vom 13. bis zum 17. Jahrhundert zu 5 Stadtbränden gekommen war.
Doch im Dreißigjährigen Krieg musste Soest beträchtlich leiden.
1636 beschoss das kaiserliche Heer die Stadt, wobei fast 1.000 Häuser zerstört wurden.
Bei der Bevölkerungszahl erlebte Soest im Jahr 1756 einen Tiefpunkt, als
die einstige Großstadt nur noch ca. 3.600 Einwohner hatte.
1809, bei der Umstrukturierung durch die französischen Besatzer, ging Soests Gebietshoheit über die Börde verloren,
d.h. Soest verlor seine Herrschaft über 48 Dörfer und ca. 20.000 Hektar Land.
Finanzieller Mangel zeigte sich in folgenden Jahrzehnten daran, dass die Bauten in der Stadt nicht mehr saniert werden konnten,
d.h. Bausubstanz verfiel und musste abgerissen werden.
Wichtige Baudenkmäler, drei Kirchen (abgerissen 1820, 1823, 1879), und 9 der 10 Stadttore, sowie Teile des Rathauses wurden abgetragen.
Zudem mussten Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung weichen,
um am Ende der 1840er Jahre Platz für Bahngleise zu schaffen.
Dennoch wurden 1843 wieder 8.750 Einwohner in Soest gezählt, somit mehr als in Dortmund (7.650 Einwohner) und mehr als in den Hellweg-Städten Essen und Duisburg. Diese Größenverhältnisse änderten sich jedoch durch die Industrialisierung im Ruhrgebiet. Obwohl Soest 1817 zur Kreisstadt wurde und 1849/50 einen Eisenbahn-Anschluss bekam, verpasste die Stadt den wirtschaftlichen Anschluss. Sie wurde von anderen Städten überflügelt, z.B. auch im Vergleich mit der Nachbarstadt Lippstadt, die heute die größte Stadt im Kreis Soest ist.
Im Zweiten Weltkrieg mussten die Soester über 30 Luftangriffe über sich ergehen lassen, wobei fast 60% der Altstadt zerstört wurde.
Trotzdem ist die Soester Innenstadt heute für ihre zahlreichen malerischen Fachwerkhäuser und romantischen Gassen bekannt.
Die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtmauer gibt einen Einblick
in die Verteidigungsanlagen früherer Jahrhunderte.
Vom Spazierweg auf dem Wall eröffnet sich ein schöner Blick auf die Altstadt mit ihren Kirchtürmen und Gärten - ein Motiv,
das Besucher besonders schätzen.