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Foto vom Petrikirchplatz
Petrikirchhof in Soest: links Rathaus,
mittig Patrokli-Dom, rechts Petrikirche
Foto von Rolf Süssbrich, CC BY-SA 4.0, Link

Stadtgeschichte von Soest

Die Stadt Soest in Westfalen ist heute be­kannt für ihr leben­di­ges Stadt­leben, die ↗Aller­heiligen­kirmes und ihre hüb­sche histo­ri­sche Alt­stadt. Soest ist eine der ältes­ten Städte im Nord­westen Deutsch­lands.

Schon zum Ende der Stein­zeit waren Siedler hier auf frucht­bare Böden ge­stoßen (Soester Börde), nach­dem sich in der letz­ten Eis­zeit hier Löß ab­ge­lagert hatte - gut be­arbeit­bar, mit minera­li­schen Nähr­stof­fen und guter Wasser­speicher­fähig­keit - alles sehr vor­teil­haft für den Acker­bau.

Und aufgrund der Rand­lage am Münster­länder Kreide­becken gibt es hier auch Salz­wasser­quellen. Bei archäo­logi­schen Gra­bun­gen in Soest wurden 94 Salz-Siede­öfen ge­funden (Sälzer­viertel am „Kohl­brink“). Die Produk­tions­stätte stammt aus der Zeit von ca. 600 n.Chr., was viel­leicht einer der ältes­ten Plätze dieser Art im deut­schen Früh­mittel­alter war. Die Salz­siede­rei wurde hier wo­mög­lich bis zum 12. Jahr­hun­dert be­trie­ben. Anschlie­ßend gab es Er­wähnun­gen einer Saline in Sassen­dorf.

Passend zur Salzproduktion - über den eigenen Bedarf hinaus - war die Lage an Handels­wegen, nämlich am Hell­weg (vom Rhein bis Zentral­europa) sowie am späte­ren Heer­weg nach Köln.

Um 780 n.Chr. wurde eine Kirche ge­baut, ein Vor­gänger­bau der ↗Petri­kirche im Zen­trum von Soest. Der Vor­gänger­bau war eine der ers­ten Kirchen in West­falen. Nachdem die Franken die Sachsen in West­falen unter­worfen hat­ten, waren im Jahr 777 n.Chr. auf der Reichs­versamm­lung in Pader­born Missions­bezirke fest­gelegt worden. Die frühe Kirche in Soest war eine Missions­kirche und hatte die Auf­gabe, die Sach­sen zum Christen­tum zu missio­nie­ren - zur Ein­glie­de­rung der Sach­sen ins fränki­sche Reich.

Im Jahr 836 n.Chr. wurde Soest als „vila sosat“ erst­mals urkund­lich er­wähnt. Spätere Namen waren z.B. Suesac, Sosatia, dann Soist (mit Dehnungs-i), zuletzt Soest (mit Deh­nungs-e).
Ab dem 9. Jahrhun­dert soll es eine Befes­tigungs­mauer um die Sied­lung ge­geben haben. Im Schutz der be­festig­ten Sied­lung ließen sich Kauf­leute und Hand­werker nieder.

Direkt neben der Petri­kirche soll um 950 mit dem Bau des ↗Patrokli-Doms be­gon­nen wor­den sein und im Jahr 962 wurden die Reliqui­en des Heili­gen Patroklus aus dem fran­zösi­schen Troyes nach Soest ge­holt. Er wurde zum Schutz­patron von Soest.
Zu dieser Zeit errichte­te auch der Landes­herr, der Kölner Erz­bischof, eine Resi­denz in Soest. Die Region am Hell­weg war ver­mut­lich schon im 7. Jahr­hun­dert vom Erz­bistum Köln er­wor­ben worden.

Im 11. Jahrhundert entstand in Soest ein ständi­ger Markt und eine Markt-Gerichts­barkeit. Und im 12. Jahr­hun­dert wurde eine groß­zügige Er­weite­rung der Stadt nötig.
In diesem Jahr­hun­dert soll auch das Soester Stadt­recht ent­stan­den sein, als erstes im deut­schen Raum auf­ge­zeich­netes Stadt­recht. Es wurde 1160 eben­falls in Lübeck eta­bliert und von dort in Hanse-Städte des Ostsee­raums weiter­getra­gen. Auch in unse­rer Nach­bar­schaft wurde das Soester Stadt­recht ver­wen­det, z.B. im Sauer­land sowie in Geseke (1217) und als Stadtrecht für Lippstadt (1220).

1177 kam es zum Streit über die Vor­herr­schaft in West­falen - zwischen dem Kölner Erz­bischof und dem Herzog von Sachsen. Während des Kriegs ließ der Kölner Erz­bischof eine Stadt­mauer, den heuti­gen Wall, um Soest er­rich­ten. Außerdem waren zu der Zeit weite­re Kirchen in Soest in Bau be­find­lich.
Der Kölner Erzbischof ging 1181 als Sieger aus dem Krieg her­vor und grün­dete das Herzog­tum West­falen, in dem Soest die Haupt­stadt wurde.

1193 segelten Kaufleute aus Soest, Münster und Lübeck ge­mein­sam nach Russ­land, um Handels­gesprä­che in Nowgorod zu füh­ren. Bei der frühen Hanse han­delte es sich um einen freien Zu­sammen­schluss von Kauf­leuten, die den Schutz der Gruppe für die gefahr­volle Reise such­ten und ihre Inter­essen an den Ziel­orten ge­mein­sam bes­ser ver­tre­ten konn­ten.
Um das Jahr 1200 sollen sich in Soest 5 neue Kirchen gleich­zeitig in Bau be­funden haben, was auf eine gute Finanz­kraft der Stadt hin­weist.


Historischer Stadtplan von Soest


1253 trafen sich Vertreter der Städte Soest, Lipp­stadt, Dort­mund und Münster, und schlos­sen einen Städte­bund bzw. ein Schutz­bündnis, den Bund von Werne. Ziel die­ses Bünd­nis­ses war es, ein­heit­liche Regeln für Handel und Recht fest­zu­legen. Es wurde ver­ein­bart, unter­ein­ander keine Zölle zu er­heben und jeden Bürger einer Bündnis­stadt so zu schüt­zen als wenn es ein eige­ner Bürger wäre. 1268 trat auch Osna­brück bei. Damit waren im Werner Bund die Städte ver­sam­melt, die sich auch später als Haupt­orte der west­fä­li­schen Hanse wieder­fin­den wer­den. Doch tat­säch­lich ge­rie­ten Lipp­stadt und Soest in einen Streit, und Lipp­stadt schied 1296 aus dem Wer­ner Bund aus.

Um 1300 beginnt die Stadt Soest mit dem Erwerb der frucht­baren Börde, d.h. eines Gebiets mit Dörfern und Gebühren­rechten, die zuvor nicht zur Stadt ge­hörten - in der Regel durch Kauf, Über­nahme von Rechten oder vertrag­liche Verein­barun­gen mit Grund­herren. In dama­li­gen Dar­stel­lun­gen wird dieser Vorgang als Erwerb von 48 Dörfern be­schrie­ben, die all­mählich in die Herr­schaft der Stadt Soest ein­bezo­gen wurden.

1338 wurde die Allerheiligen­kirmes erst­mals ur­kund­lich er­wähnt. Laut eini­ger histo­ri­scher Dar­stellun­gen war Soest im 15. Jahr­hundert die größte Stadt in West­falen, mit einer Ein­wohner­zahl von etwa 10.000 bis 12.000 Men­schen, d.h. mehr als Dort­mund oder Müns­ter zu die­ser Zeit.

1444 gerieten die selbst­bewuss­ten Soester in Streit mit ihrem Landes­herrn, dem Kölner Erz­bischof. Die Soester ver­bünden sich mit dem Herzog von Kleve, den sie für einen besse­ren Landes­herrn hiel­ten. Damit be­ginnt ein 5-jäh­ri­ger Krieg, der als ↗„Soester Fehde“ in die Ge­schich­te ein­geht. Neben­bemer­kung: Für Lipp­stadt be­ginnt hier­durch die Samt­herrschaft.
Soest ging 1449 als Sieger gegen seinen alten Landes­herrn her­vor, war aber seit­dem von feind­li­chem kölni­schen Gebiet um­geben. Dadurch verlor die Handels­stadt an Ein­fluss, verlor Kauf­leute und wurde nach und nach zu einer Acker­bürger­stadt.

In der Zeit der Hexenverfolgung wurden in Soest in den 47 Jahren von 1570 bis 1616 mindes­tens 67 Pro­zesse wegen angeb­li­cher Hexerei ge­führt, wobei unge­fähr gleich viele Männer wie Frauen zum Tode ver­urteilt wur­den. Die ge­wünsch­ten Be­kennt­nisse wurden zurecht­gefol­tert und die Urteile wurden durch Ver­brennen auf dem Scheiter­haufen an der Soester Stein­kuhle aus­geführt.
2013 hat der Soester Stadt­rat eine symbo­lische Reha­bili­ta­tion der Opfer der Hexen­verfol­gung aus­ge­sprochen.

Ursprünglich war Soest eine der be­deutends­ten Hanse­städte, aber im 16. Jahr­hundert be­fand sich die Hanse im Nieder­gang. 1608 war Soest letzt­malig beim Hanse­tag in Lübeck ver­tre­ten, also schon 60 Jah­re be­vor 1669 der aller­letzte Hanse­tag statt­fand.

Foto vom Fachwerkhaus
Renaissance-Fachwerkhaus „zur Rose“, auch ↗„Freiligrathhaus“, aus dem späten 16. Jahrhundert
Foto von Hans Peter Schaefer, 2005, CC BY-SA 3.0, Link


Etwas überraschend ist, dass für Soest kein großer Stadt­brand über­liefert ist. Über­raschend des­halb, weil es z.B. in der damals kleine­ren Nach­bar­stadt Lipp­stadt vom 13. bis zum 17. Jahr­hundert zu 5 Stadt­bränden ge­kom­men war.
Doch im Dreißigjährigen Krieg musste Soest be­trächt­lich leiden. 1636 be­schoss das kaiser­liche Heer die Stadt, wobei fast 1.000 Häu­ser zer­stört wurden.
Bei der Bevöl­kerungs­zahl er­lebte Soest im Jahr 1756 einen Tief­punkt, als die eins­ti­ge Groß­stadt nur noch ca. 3.600 Ein­wohner hatte.

1809, bei der Umstruktu­rie­rung durch die franzö­si­schen Be­satzer, ging Soests Gebiets­hoheit über die Börde ver­loren, d.h. Soest ver­lor seine Herr­schaft über 48 Dörfer und ca. 20.000 Hektar Land.
Finanzieller Mangel zeigte sich in folgen­den Jahr­zehn­ten daran, dass die Bauten in der Stadt nicht mehr saniert werden konn­ten, d.h. Bau­substanz ver­fiel und muss­te abge­rissen wer­den. Wichtige Bau­denk­mäler, drei Kirchen (abge­rissen 1820, 1823, 1879), und 9 der 10 Stadt­tore, sowie Teile des Rat­hauses wur­den abge­tragen. Zudem muss­ten Teile der mittel­alter­lichen Stadt­befes­ti­gung weichen, um am Ende der 1840er Jah­re Platz für Bahn­gleise zu schaf­fen.

Dennoch wurden 1843 wieder 8.750 Ein­wohner in Soest ge­zählt, somit mehr als in Dort­mund (7.650 Ein­wohner) und mehr als in den Hell­weg-Städten Essen und Duis­burg. Diese Größen­verhält­nisse änder­ten sich jedoch durch die Indus­triali­sie­rung im Ruhr­gebiet. Obwohl Soest 1817 zur Kreis­stadt wurde und 1849/50 einen Eisen­bahn-Anschluss be­kam, ver­passte die Stadt den wirt­schaft­li­chen An­schluss. Sie wurde von ande­ren Städten über­flügelt, z.B. auch im Ver­gleich mit der Nachbar­stadt Lipp­stadt, die heute die größte Stadt im Kreis Soest ist.

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Soester über 30 Luft­angriffe über sich er­gehen las­sen, wobei fast 60% der Alt­stadt zer­stört wurde.
Trotzdem ist die Soester Innen­stadt heute für ihre zahl­reichen maleri­schen Fach­werk­häuser und roman­ti­schen Gassen be­kannt. Die fast voll­ständig er­halte­ne mittel­alter­liche Stadt­mauer gibt einen Ein­blick in die Ver­teidi­gungs­anlagen frühe­rer Jahr­hunder­te. Vom Spazier­weg auf dem Wall er­öffnet sich ein schöner Blick auf die Alt­stadt mit ihren Kirch­türmen und Gärten - ein Motiv, das Be­sucher be­son­ders schät­zen.

Foto von Licht-Installationen
Licht-Installationen beim „5. Winterstrahlen“ am 14.02.2026


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